Hochverehrtes Publikum, gestatten: routina

„Den Verstand verlieren ist weniger dramatisch, als es sich anhört. Vor allem verliert man nicht wirklich – vielmehr gewinnt man etwas dazu: Gesprächspartner. Ich muss ehrlich sagen: Der Verlust meines Verstandes hat mein Leben bereichert.
Ihr solltet es auch mal versuchen.“

Etwas war anders an diesem Tag. Eine Weile lag ich einfach nur da und fragte mich, wieso ich wach – und was daran überraschend war.
„Es ist jetzt sieben Uhr dreizehn“, wiederholte der Wecker.
Sieben Uhr dreizehn? Fuck! Nun war ich wirklich wach. Nicht nur, dass ich verdammt noch mal verschlafen hatte – der Wecker hatte nicht geklingelt.
„Es ist jetzt sieben Uhr dreizehn?“, fragte ich.
„Vierzehn“, korrigierte der Wecker. „Und du solltest wirklich aufstehen.“ Mit triumphaler Gewissheit projizierten die Ziffern seiner Digitalanzeige mir seine Überlegenheit auf die Netzhaut. Ich starrte wortlos zurück.

Dass er schwäbelte, war zwar unangenehm – aber nicht unbedingt das merkwürdigste an der Sache. Unnötig zu sagen, welche Frage mir auf der Zunge lag. Doch bevor ich sie stellte, erinnerte ich mich an die zahlreichen fantastischen Geschichten, die mich seit meiner Kindheit begleiteten. Wenn sie mich eines gelehrt hatten, war es, dass man auf ein Warum kannst du sprechen? nie eine befriedigende Antwort erhielt – nicht von Tieren, und ganz sicher nicht von Haushaltsgegenständen.
Also erkundigte ich mich stattdessen: „Wie geht’s dir?“

Und so fing alles an.