Bis mir der Kragen platzt


Lieber Mensch,

bislang dachte ich, dass wir beide hervorragend miteinander auskommen. Dass es immer so weitergehen wird. Dass ich dir das gebe, was du von mir erwartest. Wie mir scheint, bin ich einem Irrtum unterlegen.

Ich finde meinen Alltag ist super, wirklich. Ich mag meinen Platz im Kleiderschrank. Ich verstehe mich prima mit meinen Kollegen, den lang- wie kurzärmeligen. Sogar mit den Unterhemden komme ich gut aus, dabei sagt man denen doch sonst nach, sie seien eine recht ungehobelte Spezies. Ich mag die lässige Einstellung der Krawatten und den Druck der Manschettenknöpfe. Mir gefallen sogar meine Arbeitszeiten.

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Wieso auch nicht, bei diesen Arbeitsbedingungen? Wer sonst bekommt wöchentlich Dampfbäder und eine ganzheitliche Reinigungsbehandlung? Ganz besonders weiß ich den Halt zu schätzen, den die abendliche Session mit meinem Kleiderbügel mir nach einem langen Arbeitstag gibt.

„Nichts als Existenzängste.‟

Und dann muss ich eines Tages von deinem perfiden Plan erfahren. Ganz offen sprichst du aus, was meine Welt zerstört. Und ich frage mich: Was stimmt nicht? Bin ich zu faltig? Nicht ausreichend steif? Stoßen meine Schweißflecken dich ab? Möchtest du, dass ich mehr Farbe bekenne? Wieso willst du mich loswerden?

Seitdem ist da nichts mehr – nichts als Existenzängste. Ich fühle mich wie halb.

Wahrscheinlich hast du dir gedacht, dass ich nicht dahinterkomme. Dass ich deine Botschaft nicht entschlüsseln werde. Aber mir kannst du nicht in die Tasche lügen – ich habe nämlich keine! Und genau das ist es, mein lieber Mensch, was mich stutzig gemacht hat. Ich habe es dich sagen hören, laut und deutlich, beim Mittagessen mit den Kollegen, und ich kann eins und eins zusammenzählen.

„Das letzte Hemd hat keine Taschen.‟

Das letzte Hemd. Hat keine Taschen. Und da war es mir klar. Deine Pläne, mein Schicksal. Aus und vorbei. Natürlich weiß ich, was mit dem letzten Hemd passiert.

Es wird gegeben.

Die Frage ist: für wen?

Daumen, Gezwitscher und so, los! :)