Es geht auch um dem Stil des Menschen 2


Ein bodenständiger Job ist kein Garant, nicht abzuheben

Sie erkennen ihn sofort an seiner tollen Frisur: den Feudel. Ich unternahm den Versuch, mit ihm über seine Arbeit zu sprechen.

Feudel

routina: Ich bin sehr froh, muss ich gestehen, dass Sie ihren gestreiften Wischbezug haben. Weil heute Morgen hab ich Sie auch schon anders gesehen, in einem Werbeprospekt nämlich, den ich mir heute ansehen durfte. Und da hab ich Sie fast nicht erkannt. Wie haben Sie das gemacht mit diesem weißen Microfaserbezug, haben Sie den gebleicht oder …? Wie ging das?
Feudel: (lacht) Das war ein Ersatzbezug.
routina: Ganz einfach?
Feudel: Ganz einfach.

„Unheimlich intim!“

routina: Bei Ihren Kollegen sind Sie sehr angesehen. Der Spüleimer erzählte mir in einem Gespräch, ihre typische Pose sei ein lässiges Abhängen über seinem Rand, und auch der Putzlappen war voll des Lobes für Sie. Sie hätten ihm vor Jahren beigebracht, wie man ordentlich die Fugen zwischen den Fliesen vom Schmutz befreit. Wie finden Sie das, diese kleine … Retrospektive?
Feudel: Ich weiß jetzt nicht, was ich dazu sagen soll. Ich find’s unheimlich intim. Das, finde ich, geht niemanden was an.
routina: Aber es … es wurde doch kein Geheimnis oder –
Feudel: Aber ich find’s intim. Es ist intim. Geht ja nicht um Entgeheimnissen. Es ist ’ne sehr intime Sache und es mir sehr unangenehm, dass die beiden mit Ihnen darüber sprechen mussten.
routina: Sie mussten es ja nicht, Sie haben das ja sehr gerne getan, weil sie ja auch sicherlich gewissermaßen vielleicht stolz sind oder Sie mögen und sagen „Mensch, das ist doch … öh …‟ Also …
Feudel: Wenn Sie’s sagen.

routina: Ihr seid so ’ne tolle Clique, ihr Putzgegenstände. Was ist das Ziel Ihrer Arbeit?
Feudel: Die Frage verstehe ich nicht.
routina: Na gut, also das Feudeln, ähm, dann versuche ich es zu sagen …?
Feudel: Ja, sagen Sie’s lieber!
routina: Also, beim Feudeln geht es ja darum, die Wohnung ansehnlich zu machen für Gäste. Es geht um Ordnung, Reinlichkeit, in dem Fall, und um Wohlfühlen. Hab ich’s richtig erzählt?
Feudel: Ich finde es interessant, wie Sie’s erzählt haben, weil ich würd’s komplett anders erzählen.
routina: Warum?
Feudel: Naja, ich würde weniger von den Gästen ausgehen als vielmehr von den Bewohnern. Sie sind ja hauptsächlich die, die sich in der Wohnung aufhalten.
routina: Aber es geht doch schon um den Eindruck, den eine saubere Wohnung hinterlässt?
Feudel: Der Eindruck überhaupt nicht von Interesse, es geht darum, welchen Typ Mensch du hast. Legt er Wert darauf, dass seine Wohnung blitzblank ist, oder reicht ihm eine oberflächliche Sauberkeit?

routina: Wie differenzieren Sie das?
Feudel: Was?
routina: Woran erkennen Sie, was der Mensch möchte?
Feudel: Haben Sie diese Frage jetzt ganz im Ernst gestellt? Sie wollen sich nur mit mir unterhalten, glaub ich.
routina: Das ist Sinn und Zwecks dieses Gesprächs heute, tatsächlich.
Feudel: Nächste Frage.

routina: Sie feudeln ja nicht nur Fliesen, sondern auch Parkett, Laminat und Steinboden. Wie machen Sie das?
Feudel: Liebe routina, das ist mir jetzt echt zu anstregend in zwei Minuten über Feudelkunst zu referieren. Das kann ich jetzt nicht. Das ist auch, glaube ich, nicht interessant. Interessant ist, was am Ende rauskommt. Das ist mir ehrlich gesagt zu kostbar, um das so zu versimplifizieren. Wenn das in Ordnung ist.

„Aber es geht ja nicht nur um meinen Stiel, sondern auch den Stil des Menschen.‟

routina: Natürlich. Dann sprechen wir doch über Ihren Teleskopstiel. Damit kommen Sie in jede Spalte.
Feudel: Ehrlich gesagt nicht.
routina: Nicht? Aha.
Feudel: Dabei geht’s ja um die Größe des Menschen. Mit der Reinigung hat das überhaupt nichts zu tun.
routina: Aber es gibt doch, meine ich, einen Besen, in Amerika, der … der sich automatisch auf die Größe des Menschen einstellt, und zu einem idealen Putzergebnis führt.
Feudel: Aber das ist ja was ganz Anderes. Natürlich kann ich meine Größe verstellen. Aber es geht ja nicht nur um meinen Stiel, sondern auch den Stil des Menschen. Wie er mich hält. Davon hängt ab, in welche Spalten ich komme oder nicht. Darum geht es.

routina: Herzlichen Dank für dieses Interview.

Daumen, Gezwitscher und so, los! :)

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2 Gedanken zu “Es geht auch um dem Stil des Menschen

  • Alex

    Natürlich ist Herr oder Frau Feudel kein Kind von Traurigkeit, und eine gewisse Blasiertheit ist nicht von der Hand zu weisen. Aber: Der Trotz, den Frau routina in ihrer Response zum Ausdruck bringt, passt zu ihrer Haltung während des Interviews: Ich, Autorin dieser deutschlandweit bekannten Plattform, bin genauso Star wie du, Feudel! Und das zeige ich dir auch.