Schlüsselkompetenzen 4


Auch wenn Sie als Menschen sich auf der Ersatzbank abgeschoben und minderwertig fühlen – mir gefällt es! Ich mag nur die Nummer 2 sein, aber ich bin die Rettung. Wenn ich zum Einsatz komme, danken meine Menschen mir inbrünstig für meine Existenz und meine Zuverlässigkeit. Ich bin immer zur Stelle, tagein, taugaus, hier an meinem Haken.

Ersatzschlüssel

Mein Kollege, dieser Hallodri mit dem schicken Leder-Etui und dem praktischen Schnappschlüssel und der komfortablen Fernsteuerung hingegen, der ist unzuverlässig. Ich möchte nicht einmal so weit gehen, ihm böse Absichten zu unterstellen – er scheint schlicht die Bedeutung seiner Aufgabe nicht zu begreifen, seine Schlüsselkompetenzen nicht einzusetzen. Denn nur mit ihm bezwingen die Menschen doch Zeit und Distanz!

Wie oft hänge ich hier an meinem Platz und sehe meine Menschen an den Haken neben mich stieren, der leer ist, und dann zunächst genervt und mit fortschreitender Zeit zunehmend panisch und eben ihn, meinen Kollegen, die Nummer 1, verfluchend durch die Wohnung rennen. „Wenn der nicht auftaucht, dann ist der Polo offen!‟, rufen sie manchmal. Ich verstehe diese Redewendung nicht. Denn: Eben dann ist der Polo nicht offen!

Wo man ihn nicht schon gefunden hat! Warm eingemummelt in der Jackentasche, wo er auf dem kurzen Weg vom Auto bis in die Wohnung eingeschlafen ist. Tief vergraben in der Handtasche – und im Gespräch mit dem Geldbeutel. Auf dem Bügelbrett. In der Einkaufstüte, hilflos verfangen im Kartoffelnetz. Und einmal sogar im Kühlschrank.

In diesen Momenten fragt man sich, ob es wirklich eine so sinnvolle Entscheidung des Alltagsgerichts war, Schlüsselfinder Ende der 80er aus schlüsselschutzrechtlichen Gründen zu verbieten. Sogar mein Kollege fragt sich das, wenn er wieder einmal nach langer Odyssee an seinen Platz neben mir zurückverfrachtet wird. Nachdem er irgendwo hängengeblieben ist, in eine Spalte gerutscht, zwischen zwei Zeitschriften eingeklemmt war oder in der falschen Hosentasche zurückgeblieben.

Gerne erinnere ich mich zurück an das eine Mal, als er – pflichtvergessen wie üblich – schlichtweg im Zündschloss steckengeblieben ist, verloren in einem Tagtraum, während meine Menschen bereits auf dem Weg zurück in die Wohnung waren. Man stelle sich die Aufregung vor! Diebstahl! Pannenhilfe! Versicherung! Tränen des Schocks. Und dann: ich. Die Befreiung. Der Erlöser. Beinahe ehrfürchtig vom Haken genommen und mit sanften Händen in das Schloss an der Fahrertür gesteckt, das mich freundlich begrüßte, denn mein Kollege selbstverständlich lässt sich nie persönlich blicken.

Ich kann das Auto nicht von der anderen Straßenseite aus öffnen. Ich bin plump und klobig, denn ich habe keinen ausgefuchsten Schnappmechanismus. Ich habe nicht einmal einen Schlüsselanhänger, und die meiste Zeit des Alltags verbringe ich vergessen und unbeachtet am Haken. Aber: Ich habe Zeit. Und es ist nur eine Frage eben der Zeit, bis mein Kollege sich final in einen Gully stürzt oder versehentlich an einem Ort aus der Jackentasche purzelt, an dem man ihn nicht wiederfinden wird.

Und dann, endlich, bin ich der Schlüssel zum Erfolg.

Daumen, Gezwitscher und so, los! :)

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