Wir machen keinen Unterschied 2


Ein strahlendes Lächeln. Das ist es doch, worauf Sie alle aus sind. Gut aussehen soll es. Gut riechen vielleicht noch. Wir Zahnbürsten übertreffen uns gegenseitig mit abgerundeten Flexi-Cross-Seidenfein-Borsten, mit ergonomischen rutschfesten Handgriffen, mit Zungenreinigerlamellen und pulsierender Vibrationsfederung. Doch derlei Details spielen für Sie gar keine Rolle. Das Ergebnis zählt: ein strahlendes Lächeln.

Zahnbürste

Was bedeutet ein strahlendes Lächeln für Sie?

Anerkennung? Schönheit? Erfolg? Finden Sie das nicht etwas oberflächlich?

Oberflächlich – ein gutes Stichwort. Die Oberfläche ist nämlich tatsächlich auch alles, was wir als Zahnbürsten reinigen können. Sie tränken uns in optische Aufheller und Mikroaktivkügelchen, Fluorid und Reinigungskristalle, schrubben mit uns auf Ihrem Zahnschmelz herum und denken, damit einen Unterschied zu machen. Nur: Die Probleme, die bestehen doch immer noch. Was da passiert, wenn Sie sich ein Glas Limo reinkippen oder auf ein Karamellbonbon beißen, das geht deep. Unter die Oberfläche, wo unsere Borsten nicht hinkommen – nicht mal die komplett erdölfreien. Das Ergebnis Ihres Konsums: außen strahlendes Lächeln, innen hohl, verrottet, zerfressen. Und den fauligen Atem können Sie mit Pfefferminzfrische irgendwann auch nicht mehr verdecken.

Wir Zahnbürsten können viel, zaubern können wir nicht.

Das strahlende Lächeln bekommen wir hin – ein strahlendes Karma eher nicht. Wir beseitigen die äußeren Spuren, die Schokokeks, Maiskolben, Mohnbrötchen und Kräutersoße auf Ihren Zähnen hinterlassen, aber wir machen das tote Tier nicht unzerkaut, die Kommerzcola nicht ungeschluckt. Das Wasser ist trotzdem in den Abfluss geflossen, und die Zahnpastatube landet trotzdem im Meer.

Wir machen keinen Unterschied. Den können nur Sie machen. Aber Ihnen reicht das strahlende Lächeln.

Und während ich dafür so Spinatreste aus Ihren Zahnzwischenräumen schrubbe, frage ich mich: Ist das dieses Greenwashing?




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