Zu mir kommen die nur, wenn’s ihnen dreckig geht 2


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Es hat ein Weilchen gedauert – jetzt hab ich’s durchschaut. Und die Schnauze voll. Echt, ey. Die sollen ihren Dreck alleine machen. Das sind nämlich nicht meine Freunde. Interessieren sich nicht die Bohne für mich. Außer natürlich, die Bohne hängt zwischen ihren Zinken. Dann werde ich attraktiv. Interessant. Wichtig. Dann hängen sie hier ab, mit ihren Goldrändern und Zierhenkeln, die Suppenteller und Dessertschalen und Espresso-Tassen, das Sonntagsbesteck und der Cognacschwenker.

Und ich schrubbe den Dreck einfach weg, den Scheißdreck, der sich in ihrem Alltag ansammelt, irgendwo anders, wohin sie mich niemals einladen.

Ich scheiß auf die! Bleiben exakt so lange hier, bis sie sich wieder frisch und sauber fühlen. „Ist wie Wellness bei dir‟, sagen sie. „Einfach mal ausspannen. Alles loswerden. Befreiend!‟ Und das war’s dann. Mir bleiben die Reste von öligem Spülwasser und Spinat zwischen meinen Borsten. Befreiend.

Meinen Sie, einer von denen schaut mal einfach so bei mir vorbei – um meinetwillen? Meinen Sie, die fragen mich, wie’s mir geht? Das laugt aus, diese Scheiße! Ich belaste mich mit deren Schmodder, schrubbe und wische und reibe – reibe mich auf, für die! Und dann, nach ein paar Wochen, Monaten, bin ich ausgebrannt, abgeschrubbt, verbraucht. Werde ersetzt.

Das schlimmste ist: Meinen Sie, denen würde das auffallen? Meinen Sie, wenn die zu einer neuen Spülrunde vorbeikommen, weil sie echt mal wieder mit sich ins Reine kommen müssen nach einem ach so schmuddeligen Abend, dass sie dann fragen: „Wo ist denn die gelbe Spülbürste? Die mit den abgeranzten Borsten und dem schwieligen Griff? Die ich letztes Mal mit Vinaigrette vollgesülzt habe?‟ Nein. Die machen einfach weiter wie bisher, nutzen meinen Nachfolger ab wie mich und alle vor mir und alle, die noch kommen werden.

Und ich? Darf vielleicht noch das Fahrrad schrubben oder die Gartenstühle. Die reden natürlich gar nicht erst mit mir, versnobbte Outdoor-Gegenstände. In deren Welt gibt es nur Sonne und Entspannung und Ausflüge in den Park. Gartenfeiern und Sekt.

Wissen Sie, was ich echt gut fände? Eine Hochzeit. Und davor: einen schönen Polterabend.

Daumen, Gezwitscher und so, los! :)

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2 Gedanken zu “Zu mir kommen die nur, wenn’s ihnen dreckig geht